Die Tage scheinen mir kürzer, das Sonnenlicht schwarz. Die Wärme so kalt. Und die Nächte sind so ewig. Meine einzige Hoffnung sind die Sterne am Himmel. Weil ich weiß, dass die Sterne auch an deinem Himmel leuchten. Doch die Dunkelheit erdrückt mich, erdrückt mein Herz - mein ganzes Wesen.
Ja, Bruder und Schwester sind verwickelt in einen unerbittlichen Krieg, kämpfen für sich selbst, für ihr eigenes Wohlbefinden. Die Freundschaft bleibt hier auf der Strecke. Du scheinst dich nicht einmal mehr daran zu erinnern, wie es noch vor gut einem Jahr war. Für dich scheint es leicht zu sein, dein Schwert zu ziehen und es deiner 'Schwester' in die Brust zu rammen, wie es einst noch war. Es scheint für dich leicht zu sein, Blut zu sehen - noch dazu, das Blut deiner 'zweiten Hälfte'. Vor einem Jahr hätte es dir das Herz zerbrochen, mich weinen zu sehen. Heute siehst du meine Tränen als dein Triumph.Erinnerst du dich noch? Wir haben zusammen gelacht, unser Leid geteilt. Bei dir hatte ich irgendwie das Gefühl, jemandem zu gehören, der mir gehört - einen großen Bruder, den ich immer haben wollte.
Deine Rüstung besteht aus hartem Blei - nicht zu durchstoßen. Ich will, dass du mich ansiehst, und mir sagst, dass du mich hasst, verdammt! Sag es mir, und ich werde aus deinem Herzen verschwinden. Ich werde gehen, und dich dein Leben leben lassen.
Doch du hast mich fallen lassen. Die Klippen hinunter in den unendlichen Fluss der Ewigkeit. Ich habe einen letzten, flüchtigen Blick auf dich schweifen lassen, du hast nur dort oben verharrt. Nichts getan, ich konnte nicht einmal irgendeine Regung in deinen Augen erkennen. Du warst so kalt! Es schien dir so egal zu sein, was passiert.
Und ich lebe nur so dahin, weil mir erst jetzt richtig klar wird, was du doch für einen großen Platz in meinem Herzen hast. Und um ehrlich zu sein, habe ich momentan das Gefühl, dass mir mein eigenes Herz fehlt.



