Samstag, 15. Januar 2011

Überall bist nur du.

Der Wecker klingelte heute morgen gegen neun. Im Halbschlaf tasteten sich meine Finger über die Bettdecke, die Augen geschlossen. Doch dieser zweite Teil meines Bettes war schier leer. Du warst nicht da. Ich riss die Augen auf, und starrte auf das leere Kopfkissen, und ganz plötzlich drang wieder dieses Verlangen nach dir durch, eine leise Träne der Sehnsucht floss dann über mein Gesicht. Gedanken der vergangenen drei Tage kamen mir in den Sinn. Hab ich dich nun verloren?
Gemächlich stieg ich dann aus dem Bett, kämmte mir die Haare, trug das Make-Up auf, und schmiss mich in meine Klamotten. Ich ging dann in die Küche und goss mir eine große Tasse Kaffe ein. Anschließend ging ich damit in mein Zimmer und drehte die Musik laut auf, doch überall warst nur du. Ich hörte die Lieder doch den Songtext nicht. Voller Hoffnung auf Ablenkung griff ich zu einem Buch. Doch schon kurze Zeit darauf warst dort nur du. Die Buchstaben drangen plötzlich nicht mehr in meinen Kopf. Ich nahm sie unbewusst nicht wahr. Mitten im Kapitel schloss ich den Brocken und knallte es auf's Bett.
Voller verzweifelter Sehnsucht stellte ich mir vor, dass du jetzt hier wärst, und wieder rollte eine Träne über mein Gesicht. Frustriert ging ich wieder in die Küche mit der Kaffetasse und räumte ein wenig auf. Ablenkung, so lange es geht. Nachdem ich die Küche aufräumte, wagte ich mich an die übrigen Räume, Flure, Badezimmer, Wohnzimmer, und auch mein Zimmer.
Bis halb zwei wurde ich abgelenkt. Erfolgreich. Doch dann warst du wieder da. Überall, ununterbrochen. Wie die Traurigkeit plötzlich wieder mein Herz umrandete, wie mir jede Sekunde so unfassbar ewig vorkam. Ich beschloss dann online zu gehen, doch nirgends fand ich eine Nachricht von dir. Und die Laune sank immer tiefer. Du warst nicht online. Ich fand es gut, in den ersten Momenten, dann kam Mama nach Hause. Und bat mich, ihr ein wenig zu helfen. Wir fuhren dann auf den Friedhof und pflegten das Grab meines Großvaters. Wieder warst nur du mir im Sinne. Ich konnte nicht aufhören, an dich zu denken. Dann fuhr ich schleunigst wieder heim. Ging wieder online, noch nichts von dir. Und diese Sehnsucht wurde langsam Angst und Schmerz.
Es ist jetzt ungefähr sechs Uhr abends. Und in mir wohnt dieses Verlangen dich zu küssen, dich zu umarmen, dir von allem zu erzählen, dich nie wieder los zu lassen, deinen Nacken sanft zu kraulen und dir vorsichtig durch die Haare fahren, deinen sinnlichen Duft einzuatmen, und dir drei Worte ins Ohr zu hauchen: "Ich liebe Dich."

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